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Kirchenfenster

Liebe Besucher der Internetseite unserer Kirchgemeinde,

worauf kann man noch bauen? Wem vertrauen? Wohin sich wenden? Information ist zur Ware geworden und wird nach Interessen gehandelt. Unsere Talkrunden graben nur eine systeminterne Meinungslandschaft um. Wo wächst Saat, die Zukunft Boden verheißt? Die Stadt Mosul im Irak hat in jüngster Zeit traurige Berühmtheit erlangt - durch Kriegsereignisse und die Zerstörung von Weltkulturerbe. In Mosul liegt Ninive – im 23. Jh. v. Chr. gegründet und zu Glanzzeiten 750 Hektar groß. Im Buch des Propheten Jona wird Erstaunliches von Ninive berichtet. Es sollte uns jetzt interessieren: Ja, eine Gesellschaft kann sich besinnen und umkehren. Sich die Möglichkeit des Untergangs deutlich zu machen, ist nicht krank, sondern hilfreich. Jona sagt: „Ninive wird in 40 Tagen zerstört werden!“ Die letzte Konsequenz gesellschaftlicher Verhältnisse muss von außen angesagt werden. Wer dem „Irgendwie-weiter-so“ vertraut, wird sie weder begreifen noch darauf reagieren können. Die Bevölkerung von Ninive schenkte nicht mehr den Durchhalteparolen Glauben, sondern Jona. Gleichermaßen Arm und Reich nehmen seine Ansage als Urteil Gottes und als Selbsterkenntnis an. Die Kommunikation darüber geschieht ohne Medien außerordentlich rasch. Angst wird nicht in Ersatzhandlungen, sondern in entsprechendes Handeln umgesetzt: Sich Zeit zum Besinnen geben. Der König von Ninive – offenbar gut vernetzt – folgt seinem Volk und setzt ein Zeichen: Er verlässt symbolisch seinen Thron und setzt sich in Asche. Er will keine Wahl gewinnen, sondern mit seinem Volk eins sein. Er unterstützt von oben, was das Volk längst erkannt hat: Umkehr ist bitter nötig. Er ist in der Lage, die Umkehrbewegung nicht als äußeren, sondern als inneren Aufstand zu werten. Wer dieses friedliche Zeichen zur Umkehr setzt, wird in Ninive nicht als Staatsfeind behandelt. Obwohl das Zeichen das bisherige Regime des Königs als Holzweg brandmarkt. Der König und alle seine Beamten verordnen genau das, was das Volk bereits tut: „Weder Mensch noch Vieh, Rind und Schaf dürfen irgendetwas essen. Sie dürfen weder weiden noch Wasser trinken. Mensch und Tier sollen sich in Säcke kleiden und sich ganz dem Gebet zu Gott widmen. Sie sollen von ihren bösen Wegen umkehren und von ihren Gräueltaten ablassen. Wer weiß? Vielleicht kehrt Gott um und bereut und bezähmt seinen grimmigen Zorn, sodass wir nicht zugrunde gehen.“ Die systemische Buß-Leistung der Niniveer ist beeindruckend – sie kleiden sich in Säcke, legen ihre Waffen ab und der König seine Macht. Sicher vorübergehend. Aber ohne Innehalten hat Zukunft keinen Boden. Am 16. November ist höchste Zeit dafür. .

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich