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Kirchenfenster

Liebe Besucher der Internetseite unserer Kirchgemeinde,

von Vergangenem zu erzählen, das ist – je älter man wird - täglich Brot. Wer aber erzählt von Kommendem? Nein kein Lebensraum im Osten, keine Abschaffung des Geldes im Kommunismus, kein heiliger Sozialstaat, der den inneren Frieden schon richten wird, keine Megastrukturen, die die Kirche retten sollen. Sondern Wahres, das auf uns zukommt. Es ist höchste Zeit für Rückkopplungen. Wohin kann der Weg führen? Uns fehlen Propheten – das Gegenüber der Könige. Gott schenkt ihnen die Ahnung der unerwarteten Zukunft. Deshalb sind sie oft verhasst, werden mit Verachtung bestraft. Werden geköpft, wie Johannes der Täufer. Er redete von Umkehr, sparte nicht an Systemkritik. Er redete von Zukunft, die uns unverfügbar ist. Denn wir geben uns unsere Zukunft nicht allein! Sondern Gott. Und deshalb müssen wir nach ihm fragen. So einfach ist das. Johannes der Täufer erteilt der elenden Phantasie, wir hätten alles in der Hand, eine Absage. Seine Botschaft lautet: Sei nicht zuerst ein Macher. Sondern zuerst und lange genug ein Fragender und ein Hörender. Frank Richter, den wir dank engagierter Bibliotheksmitarbeiter in Markranstädt hören dürfen, zeigt das deutlich in seinem jüngst erschienen Buch an: „Hört doch endlich zu!“ Nicht nur Macher, sondern auch Hörender zu bleiben: Das ist schwer heute – zuzeiten in denen die Tat zählt. Und wenn es die Tat einer Umstrukturierung ist. Johann Wolfang von Goethe meinte im „Faust“ bei der Übersetzung der ersten Verse des Johannesevangeliums, im Anfang sei die Tat gewesen. Nicht das Wort. Ohne dem großen deutschen Dichter zu nahe zu treten – genau hier liegt das Problem. Das war ein folgenschwerer Irrtum der Aufklärung. Denn so erstaunlich die Welt ist, die die Macher schaffen, so stehen sie doch in der Gefahr, taub zu werden. Wenn im Anfang die Tat war, dann muss ich mittun. Auch schöpfen. Erschaffen. Möglichst viel. Am Ende alles. Das wird dann der Turm, der an den Himmel reichen soll. Heute oft ein Informationsturm. Wenn im Anfang aber das Wort war, dann kann ich zwar mitreden. Aber ich bin zunächst ein Angesprochener. Kann auch ein Angefragter sein. Kann zum Hörenden werden. Wenn wir nach dem Johannistag in die Ferien- und Urlaubszeit eintreten, dann begegnet dem einen oder der anderen auch die Stille. Vielleicht beginnt sie zu sprechen. Angesichts mancher Muschel am Strand wird deutlich, wie winzig doch Lebenszeit ist und wie groß die Aufregung, die wir darum machen. Ob wir das Wunder eines ehemaligen kleinen Lebewesens sehen oder die Kalkablagerung, die zum Gebirge wird – das liegt ganz an uns.

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich