Herzlich Willkommen

Kirchenfenster

Liebe Besucher der Internetseite unserer Kirchgemeinde,

haben Sie schon einmal mit einem Kind gesprochen und sich klein gemacht, damit Sie auf Augenhöhe sind? Damit die Botschaft nicht von oben herab kommt? Dann haben Sie bemerkt, wie wichtig es ist, neben einem Kind zu knien, damit das Gespräch dem Kind die Würde lässt und es auch zu Unerwartetem Vertrauen fasst. Von oben herab geht in der Regel nichts. Es sei denn mit Gewalt. Der Renaissance-Künstler Mariotto di Biglio Albertinelli hat 1497 seine „Verkündigung Mariae“ gemeinsam mit seinem Freund Fra Bartolomeo auf eindrucksvolle Weise gestaltet. Der Engel Gabriel kniet direkt vor Maria. Er kommt nicht gewaltig, der Himmelsbote, sondern er macht sich klein und zeigt mit dem Finger nach oben: Was ich Dir sage Maria, ist eine Botschaft Gottes, der mit seiner Welt Kontakt aufnimmt. Die Szene findet mitten in einem Zimmer, im Alltag der Maria statt, die wohl gerade aufgestanden ist und den unerwarteten Besucher mit einer Geste abwehrt. Gott lässt diesen Widerstand zu. Droht nicht mit Befehl und Strafe. Sondern sagt zu, was Marias Menschlichkeit, Wille, und Herz bejahen darf. Gottes Geschehen beginnt in menschlichem Horizont. Offenbarung wird Geschichte. Gott nimmt uns ernst. Die weiße Lilie in der Hand des Engels ist ein Zeichen. Wenn Gott in der Geschichte wirkt, kann Außergewöhnliches geschehen. Maria bleibt Jungfrau. Beides ist in dieses Bild gebracht: Die gewaltige Begegnung Gottes mit dieser Welt und die Sanftheit, ja geradezu die Vorsicht seines Vorgehens. Schon die Ankündigung der Geburt Jesu ist nach Art und Inhalt Teil eines Heilsweges, eines heilenden Weges, den Gott mit uns geht. Was heißt das? Wir erkennen darin die Art Gottes, leise, überhör- und übersehbar zu beginnen und doch Letztgültiges zu bewirken. Gewärtig zu bleiben, dass Gott überraschend mit seinem Plan unsere Pläne beeinflusst, ja umwirft und eben das zu unserem Heil geschieht, ist Verkündigung auch dieses Bildes. Was soll dieses adventliche Zeichen in unserer Welt, die di Biglio Albertinelli als Landschaft außerhalb des Zimmers mit einbezieht? Gott spiegelt sich nicht machtbewusst und selbstverliebt. Er ist die Macht, die zu uns kommt, ja der es grundlegend um uns geht. Alle irdische Macht erliegt der Gefahr, Nichtmächtige für dumm zu halten. Gott hält uns alle der Ankündigung seines Sohnes für wert. So sind wir aufgewertet und sollen vertrauensvoll antworten. Mit unserem Leben. Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit Ihnen allen.

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich