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Kirchenfenster

Liebe Besucher der Internetseite unserer Kirchgemeinde,

unsere Kirchen sind Gebäude aus Stein. Beeindruckend ausgestattet sind sie aber nur die Hülle für das, was dort geschieht. Mit ihrer Schönheit und historischen Bedeutung sind sie nur ein Hinweis auf die Kraft, die sich durch die Zeiten hindurch in ihnen finden lässt. Zu Pfingsten feiern wir diese Kraft, die steinerne Kirchen zu einem Ort des Geistes werden lassen kann. Denn das Kirchengebäude an sich garantiert nicht, dass dort auch „das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden“, wie es Artikel 7 der Augsburger Konfession sagt. Dazu ist der Heilige Geist nötig, den Gott „über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus.“ So sagt es auch Petrus in der Apostelgeschichte 2,32-33. Nun ist in unseren Kirchen und in der Öffentlichkeit von Kirchenvertretern manches zu hören, was den Glauben und die Überzeugung einzelner Kirchenmitglieder erschüttert. Im Januar sprach mich ein älterer Herr an. Er sagte mir sehr aufgebracht: „Ich bin gezwungen, mit 80 Jahren aus der Evangelischen Kirche auszutreten. Und das ist bitter. Ich kann einfach nicht mehr hören, was der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland – Bedford-Strohm – zu verschiedenen Anlässen äußert. Wenn das Gesagte die Kirche repräsentiert, dann ist das nicht mehr meine Kirche.“ Was ist die Kirche? Natürlich muss sich jeder Christ immer wieder ernsthaft fragen, ob seine persönliche Glaubensüberzeugung oder seine kirchenpolitische Meinung dem Geist Gottes entspricht. Nicht umsonst gehört die Aufforderung zur Änderung des Sinnes zu den grundlegenden Botschaften Jesu. Aber dennoch bleibt die Kirche der Ort, an dem die versammelte Gemeinde um den Geist Gottes bittet und ihn auch erhält. In Artikel 8 der Augsburger Konfession lesen wir: „Ebenso, obwohl die christliche Kirche eigentlich nichts andere ist als die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch in diesem Leben unter den Frommen viele falsche Christen und Heuchler, auch öffentliche Sünder bleiben, sind die Sakramente gleichwohl wirksam, auch wenn die Priester, durch die sie gereicht werden, nicht fromm sind; wie denn Christus selbst sagt: ‚Auf dem Stuhl des Mose sitzen Pharisäer.‘“ Das beseitigt nicht den Ärger des älteren Herrn. Aber es erklärt, dass die Gewissheit unserer Kirche im Pfingstereignis gründet und nicht in den zeitabhängigen Aussagen kirchlicher Repräsentanten. Niemand allerdings ist von der Mühe befreit, zu fragen, ob er dem Heiligen Geist folgt oder dem eigenen Geist. Ersterer bläst oft ins Gesicht. Letzterer stärkt nur den Rücken. Pfingsten – Besinnung ist nötig.

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich