Herzlich Willkommen

Kirchenfenster

Liebe Besucher der Internetseite unserer Kirchgemeinde,

als Christoph Kolumbus nach seiner Rückkehr aus Amerika während eines Essens bei Kardinal Mendoza im Jahre 1493 vorgehalten wird, jeder hätte Amerika entdecken können, verlangt Kolumbus von den Tischgästen, ein gekochtes Ei auf die Spitze zu stellen. Keinem gelingt das. Kolumbus nimmt das Ei und schlägt es auf die Spitze so dass es steht. Daraufhin protestieren alle Anwesenden, das hätten sie auch gekonnt. Kolumbus antwortet: „Der Unterschied ist, meine Herren, dass sie es hätten tun können, ich hingegen habe es getan.“ Im Gegensatz zum Ei des Kolumbus ist das Osterei ein Zeichen, dass Gott etwas tut, was niemand hätte tun können. Dass eine Geburt unter einer toten Kalkschale das so augenscheinlich Tote sprengt, gehört zum Staunenswertesten für jeden, der einmal das Schlüpfen eines Kükens miterlebt hat. Insofern ist das Weihnachtsosterei, in dessen Innerem die Krippe zu sehen ist, ein Zeichen: Weihnachten und Ostern können nicht ohne einander sein. In Bethlehem ist nicht zu sehen, was am Karfreitag geschieht. Aber ohne Bethlehem gäbe es keinen Karfreitag. Dass der Geburt in die Krippe die Geburt aus dem Grab folgt, ist die größte Verheißung, die Gott uns gegeben hat. Dass beide Geburten in ganz unterschiedlicher Weise mit Schmerzen und Bangigkeit verbunden sind, soll uns mahnen: Nur in einem ausgewogenen Verhältnis von Sicherheit und Unsicherheit wächst Zukunft. Wer zu lange beharrt, dem eröffnet sich weder die Notwendigkeit von Geburten, noch die Hoffnung, dass nach einem augenscheinlichen Ende ein Anfang kommt. Nichts begraben zu können, ist ebenso gefährlich wie nichts zu gebären. Dass Europa wie eine unfruchtbare Frau sei, ist ein hartes Wort von Papst Franziskus. Aber hat uns die Lebendigkeit nicht verlassen in all den vielen Definitionen, wer wie sei, wenn er was tut? Sind wir eingemauert in all den babylonischen Türmen, die wir so stolz errichteten? So war es Gottes Entschluss, ausgerechnet durch eine Geburt für uns deutlich zu werden. Und es war Gottes Entschluss durch Schwäche die stärkste Macht, den Tod, zu schlagen. Gott zeigte sich als Realist. Er hatte seit dem Sündenfall keine Illusion von uns. Sondern den Wunsch, dass unser Bild dem seinen von uns wieder ähnlich werden möge. Daran ist Gott aufgeschlagen. Er tat, was niemand tun konnte. Wenn wir das nicht sehen, dann bleibt die Krippe im Ei verborgen und die äußere Schale gleichmäßig tot. Wer aber sehen kann, der entdeckt das Weihnachtsosterei.

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich